Einleitungsbeitrag zum 16. Potsdamer Kolloquium zur Außen- und Deutschlandpolitik „Deutsch-chinesische Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Die deutsche Außenpolitik gegenüber der Volksrepublik China“ am 27./28.09.2012

Adolphi 2012: Welches Deutschland, welches China?

Einleitungsbeitrag zum 16. Potsdamer Kolloquium zur Außen- und Deutschlandpolitik „Deutsch-chinesische Beziehungen in Geschichte und Gegenwart. Die deutsche Außenpolitik gegenüber der Volksrepublik China“ am 27./28.09.2012

Es sieht alles sehr schön aus. Die Website der Botschaft der Volksrepublik China spiegelt, was offizielle deutsche Politik ist: „40 Jahre Deutsch-chinesische Beziehungen“, „Deutschland und China – 40 Jahre diplomatische Beziehungen“ und „De Zhong jian jiao sishi zhou nian“.

Aber das Schöne wirft Fragen auf. Warum nur vierzig Jahre? Die Volksrepublik China ist 63 Jahre alt. Was war vorher? Wo war Deutschland 1949?

Dass man diese Fragen überhaupt aufwerfen muss, gründet sich in der verwirrenden Unentschlossenheit, mit der das seit 1990 vereinigte Deutschland mit seinem Erbe umgeht. Oder deutlicher: Die Unfähigkeit des offiziellen Deutschland, die deutsch-chinesischen Beziehungen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in ihrer Gesamtheit zu würdigen, ist konzentrierter Ausdruck seiner allgemeinen Unfähigkeit, die Deutsche Demokratische Republik als Teil ihres Erbes anzuerkennen. Sie ist die Fortschreibung des Alleinvertretungsanspruchs der alten Bundesrepublik Deutschland und somit die Fortschreibung eines wichtigen Prinzips des Kalten Krieges. Dass dies zu einer bedeutsamen Verarmung der heutigen deutschen Außenpolitik geführt hat und weiter führt, ist schon auf verschiedenen Potsdamer Kolloquia – etwa zu den deutsch-polnischen Beziehungen oder zur deutschen Nahostpolitik – herausgearbeitet worden. Mit den deutsch-chinesischen Beziehungen klärt sich das Bild um ein Weiteres. 

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