in: Die Neue Weltbühne, Prag-Zürich-Paris, Nr. 9 vom 25. Februar 1937, S. 271-272 Der Kreuzer »Emden« besuchte kürzlich Nanking und Shanghai, es war ein grosses Fest. Die hiesigen Nazis veranstalteten Parademärsche, Empfänge, Theateraufführungen, Tanz und öffentliches Essen von Eintopfgerichten, sie begossen das Ereignis mit Bier, Sekt und Whisky. Aber die Chinesen waren verstimmt, sie wissen, welchem Zweck die Nazi-Panzerkästen dienen.

Asiaticus 1937: Kreuzer Emden

in: Die Neue Weltbühne, Prag-Zürich-Paris, Nr. 9 vom 25. Februar 1937, S. 271-272

Shanghai, Anfang Februar (1937)

Der Kreuzer »Emden« besuchte kürzlich Nanking und Shanghai, es war ein grosses Fest. Die hiesigen Nazis veranstalteten Parademärsche, Empfänge, Theateraufführungen, Tanz und öffentliches Essen von Eintopfgerichten, sie begossen das Ereignis mit Bier, Sekt und Whisky. Aber die Chinesen waren verstimmt, sie wissen, welchem Zweck die Nazi-Panzerkästen dienen. Der Rummel um die »Emden« war jedoch sehr nötig, um die kritischen Stimmen unter den hiesigen deutschen Kaufleuten und Angestellten zu übertönen. Das verrät auch der »Ostasiatische Beobachter«, das Organ der »Landesgruppe China« der Nazis, das »über die Ortsgruppen und Stützpunkte den Mitgliedern und Freunden der Bewegung zugestellt« wird. Die Februarnummer ist dem Besuch des Kreuzers gewidmet; da lesen wir in dem Artikel »Die Weltpresse und Wir«, gezeichnet Junker (Nanking):

»Jeden Morgen, an dem wir die Zeitungen aufschlagen, finden wir uns von neuem umstrickt von einem Wust unfreundlicher oder deutsehfeindlicher Nachrichten, die nur eines gemeinsam haben, uns als schwarzes Schaf in der Völkergemeinschaft hinzustellen ... Uns allen ist noch in frischer Erinnerung die Erregung, welche die Nachricht über den Abschluss des deutsch-japanischen Antikominternabkommens in der hiesigen Öffentlichkeit ausgelöst bat. Dieses Abkommen, das lediglich eine gemeinsame Frontausrichtung in Fragen der Bekämpfung der kommunistischen Internationale zum Inhalt hatte und zu diesem Zweck eine gegenseitige Benachrichtigung der Polizeiorgane vereinbarte, ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, in der gesamten hiesigen Presse zum Gegenstand unfreundlicher Betrachtungen gemacht worden; Viele unserer chinesischen Freunde, denen man ein besseres Urteil hätte zutrauen können, haben sich betören lassen ... Nein, wir müssen leider gestehen, dass wir in der letzten Zeit auch in der Landespresse von Freundlichkeiten nicht viel gemerkt haben.«

Zum Beweis dafür, dass die Chinesen sich nach wie vor von den Nazis nicht betören lassen wollen, zitieren wir den Leitartikel der sehr verbreiteten shanghaier »Lih Pao« vom dritten Februar, betitelt »Nach unserem Besuch auf der ›Emden‹«:

»Der deutsche Kreuzer ›Emden‹ ist hier zum freundlichen Besuch angekommen. Die frühere ›Emden‹, bekannt aus der Zeit des Weltkrieges, hatte sich den Namen ›der Teufel‹ erworben. Die deutsche Regierung hat jetzt einen neuen Kreuzer ›Emden‹, sie hofft wohl, dass er den Ruf seiner früheren menschenfresserischen Wirksamkeit noch verstärken werde. Hitler schreitet jetzt zweifellos in den Fusstapfen Wilhelms des Zweiten. Doch er ist viel dümmer als Wilhelm. Als wir gestern die grossen Kanonen am Bord der ›Emden‹ sahen, haben wir uns leicht die schreckliche Lage der deutschen Massen vorstellen können, deren Brot und Butter jetzt zu Hitlers Kampfwaffen umgewandelt werden. Genau gesprochen, hat der Schreiber dieses Artikels nicht die grossen Kanonen sondern die Haufen von Brot und Knochen der hungrigen deutschen Massen gesehen. Es ist sicher, dass Hitler noch mehr Nahrungsmittel der Deutschen in Waffen umwandeln wird, um seine anmassenden Pläne zu erfüllen. Ohne Zweifel, nationale Verteidigung brauchen alle Länder dieser Welt. Aber denken wir auch an den Weltfrieden und den Frieden Chinas. Nach dem Weltkrieg ist die deutsche Ausfuhr nach China ständig gewachsen. Daher wäre Deutschland gut beraten, unterdrückte es alle anmassenden Aspirationen in China. Unser Land ist der beste Markt für deutsche Waren. Es ist deshalb nur zu hoffen, dass die deutschen Behörden sich diesen Fall gründlich überlegen und die Zusammenarbeit mit dem Aggressor im Fernen Osten auf geben werden.«

Die hiesigen überlegen garnichts. In kolonialer Überheblichkeit folgern sie aus alledem nur, dass es höchste Zeit wäre, mit Hilfe des japanischen Militärfaschismus die chinesische Presse endlich gleichzuschalten.